Anna Abbelen2 Comments

Mehr Schein als Sein ?

Anna Abbelen2 Comments
Mehr Schein als Sein ?

Gerade im Moment, sitze ich im Flieger in Richtung Melbourne zu meiner Stiefschwester Jule. Warum dann nicht die Zeit sinnvoll nutzen und ein paar Zeilen schreiben?! 

Diesen Post habe ich schon Einmal angefangen gehabt, ihn aber aus Zeit technischen Gründen nicht zu Ende schreiben können. Hier geht es um mein aktuelles Praktikum bei "Action Concept". 

fullsizeoutput_3a24.jpeg

Wie bin ich überhaupt dazu gekommen? Im Sommer habe ich ein Praktikum bei einem sehr großen Immobilien-Unternehmen gemacht.  Ganz passend und im Anschluss an mein Studium. Dort hatte ich sogar mein eigenes Projekt, die Verwaltung des noch nicht vorhandenen Social- Media- Auftreten dieses Riesen-Unternehmens. Keine leichte Aufgabe, wenn man das Unternehmen erst seit ein paar Wochen kennt und so gut wie noch nichts vorhanden war. Es hat Spaß gemacht, mein gelerntes Wissen anwenden zu können, quasi an einem real-life-example. Das einzige was mich sehr gestört hat, war das monotone, jeden Tag aufs neue "Am-Schreibtich-gehocke". In einer gewissen Weise hat mich das vom Gefühl her -ausgebremst. Ich war dort immer 5 Stunden am Tag, bzw. sollte 25 Wochen Stunden absolvieren, konnte mir die Stunden aber auch so legen, dass ich an einem Tag 3 Stunden kam, dafür am nächsten dann 7. Eigentlich hört sich das perfekt an, gerade neben meinem Fulltime-Job mit den Pferden. Ging ich dann aber vor der Arbeit reiten, setze mich dann an den Schreibtisch auf der Arbeit, hatte ich das Gefühl - entschleunigt zu werden. Meine Gedanken beim Arbeiten drehten sich viel darum, was ich dann nach der Arbeit möglichst viel und schnell umsetzen kann, um diese "Un-aktive" Zeit, wieder aufzuholen. Eigentlich total bescheuert, weil ich ja im Prinzip genauso produktiv und aktiv war, aber eben in einer ganz neuen Art und Weise, die ich so noch nicht kannte. Einschub: -War aber für den Moment, so richtig GAR NICHT meins... :D Also, musste schnell was neues her !!! Nicht falsch verstehen, so eine Erfahrung sollte jeder mal machen, man muss ja schließlich wissen, was man will und was nicht. 

Ja.. und was nun ? Jetzt meinem Traum näher kommen, Schauspiel zu studieren... Na klaaaaar.... in 2 Wochen sind vorsprechen für das Sommersemester 2018, ist ja gar kein Thema .... Dachte ich :D Ist wohl ein großes Thema. Zu einem Vorsprechen für ein Schauspiel Studium an einer renommierten staatlichen Uni, geht man nicht mit nur 2 Wochen Vorbereitung. Es ist zu viel Text, Ausdruck, Passion, Leben, Gefühl, ... die in das Spiel erprobt werden müssen, um es in 2 Wochen perfekt zu zeigen. Der Zug war also dann doch erstmal abgefahren. 

fullsizeoutput_3a38.jpeg

Eine weitere Option war dann für mich, meine organisatorischen, übermotivierten, aktiven Neigungen in ein Studium hinter die Kamera zu stecken. "Film- und Fernsehproduktion". Das war es, was meinen Eigenschaften eines Traum-Berufsbildes am ehesten entsprach! Alleine bin ich da aber auch nicht drauf gekommen. Ich hatte Hilfe durch meinen Mental-Coach Nico. ( Er ist übrigens der Beste :) ) Wie dem auch sei, habe ich dann den Entschluss gefasst, mich in dieser Richtung vor erst zu entfalten. Unis raus suchen, Bewerbungsvoraussetzung aus checken, und los gehts. Nach dem Bewerbungsvoraussetzungen aus checken scheiterte dann aber auch mein Plan schon, denn Voraussetzung für die Uni in München HFF ist ein 7 monatiges Praktikum in der Branche. Also von wegen "los gehts"... sondern erstmal : PRAKTIKA !!!

Ja und da bin ich im Moment dran, damit ich mich dort bewerben kann. Über einen guten Kontakt, kam ich zu Action Concept und durfte direkt 3 Wochen später anfangen. 3 Wochen waren es Zeit, mein Leben so zu organisieren, dass ich die meiste Zeit des Tages, auf der Arbeit verbringen kann, und nur einen Bruchteil der 168 Wochen Stunden, die ein Mensch so hat, in meinen geliebten Sport, das Reiten. Aber an einem gewissen Punkt im Leben muss man auch Abstriche machen. Um mal ehrlich zu sein... Ich bin jetzt 21... mein Leben lang kann ich ja jetzt nicht nur hopsi hier und hopsi da machen. Na gut, könnte ich vielleicht schon, aber damit wäre ich nicht zufrieden, das ist nicht mein Anspruch. Also, wie gesagt, 3 Wochen Zeit, um mich selbst auf die -bisher , anstrengendste Zeit vorzubereiten. 

Am 26.10 war es dann soweit. Antreten!!! Als Setrunner ;-) Wake-up Call kam um 4:20 Zuhause in Kempen. Es hieß : "Sei um 6:30 am Set". Um um 6:30 am Set zu sein ( das war an diesem ersten Tag in der Eifel, bei Barweiler) musste ich also um 5:45 in Köln/Hürth ( hier ist das Büro von Action Concept) sein, damit ich von dort aus ein Auto mit zum Set nehmen konnte. Ja und um 5:45 in Hürth zu sein, muss ich locker-flockig um 4:45 in Kempen losfahren. Haha, happy Birthday, der erste Drehtag ging bis 18:30 ( man sagte mir, ich sollte mich nicht dran gewöhnen, so früh fertig zu sein, das wäre nur die Ausnahme- Oh JA, das war es). 18:30 in der Eifel Ende, bedeutete 19:15 wieder in Hürth und gegen 20:30 Zuhause in Kempen. So und wer sich jetzt vorstellen kann, habe ich danach genau NICHTS mehr gemacht. Und so geht das, an Drehtagen, aufstehen, hinfahren, arbeiten, zurück fahren , schlafen und wieder von neu beginnen. 

Dreh in einem Steinbruch....

Dreh in einem Steinbruch....

Setrunner?! Wahrscheinlich wäre es interessant zu sehen, was ihr so meint, was ich den ganzen Tag mache... Kabel schleppen? am Set rum rennen? So ungefähr. Ich sorge ( mit insgesamt noch 3 weiteren Setrunnern) dafür, dass es dem Team an nichts fehlt, während wir drehen. Die Set-Aufnahmeleitung, wozu auch wir Setrunner gehören, ist immer als erstes und bis zum Schluss am Set. Wir versorgen alle mit ausreichend Getränken und Essen, schauen dass Stühle für den Regisseur und die Schauspieler vorhanden sind. Kümmern uns, dass speziell bei dieser Produktion, Autos an Ort und Stelle stehen, bemühen uns, dass keine Menschen, die nicht im Bild erscheinen sollten, auch vom Drehort fern bleiben: das heißt "Blocken" :D. Naja und weil man dabei niemals auf der Stelle steht, sondern quasi Alles und doch wieder Nichts macht, heißt das eben Set- RUNNER. Meine Durchschnitts-Schrittzahl an einem solchen Drehtag, liegt zwischen 18.000 und 25.000. Und das aller schönste dabei: Es ist jeden Tag etwas Anderes. Jeden Tag wird etwas komplett Anderes gedreht, meistens sind verschiedene Schauspieler von Tag zu Tag da. Grundsätzlich ist es total spannend mit Schauspielern zu arbeiten. Anfangs dachte ich, die sind andere Menschen als wir, aber ganz im Gegenteil, total nett, entspannt und ganz normal. Ich finde es wahnsinnig interessant, was hinter der Kamera passiert, von der Umsetzung des Drehbuches, zu verschiedenen Kamera-Einstellungen, der Aufwand der Betrieben wird, die Schauspieler perfekt zu schminken und zu kleiden, und dann sind da noch die Requisiten, die Autos, die massenweise Kaputt gemacht werden. Das ganze Prozedere ist einfach eine RIESEN LOGISTISCHE HOCHLEISTUNG. Ist nur eine winzige Kleinigkeit falsch durchdacht, falsch organisiert, falsch disponiert, hängen soviel Arbeitsabläufe daran. Und das ist wahrscheinlich Das, was mich so daran fasziniert. Zum einen die Abwechslung, zum anderen das hohe Mass an Konzentration bei der Organisation und Umsetzung. In welcher Position ich die Filmbranche jetzt gerade kennenlerne, ist mir völlig Wurscht. Lieber von der Pike auf, um den größten Möglichen Überblick zu erlangen. Als Setrunner, habe ich während akut gedreht wird, die Chance, mir die Arbeitsabläufe von anderen Abteilungen: Kamera, Maske, Kostüm, Ton, Regie, als Außenstehender genau anzuschauen. Das Team ist so super nett, dass mir meistens ( außer ich Frage in eine äußerst unpassenden Moment- was auch manchmal vorkommt:D ) alle meine Fragen beantwortet. 

Und warum mehr Schein als Sein ? Viele stellen sich die Filmbranche sehr glamourös vor, sehr reich und umgeben von extra-Menschen. Ganz im Gegenteil, vielleicht mögen die Rote-Teppich-Veranstaltungen oder die Firmeneigenen Weihnachtsfeiern, dass glamouröseste sein, was die Filmbranche bietet. Gerade jetzt im Winter friert man sich ordentlich den Poppes ab, wir laufen in alten Klamotten durch die Gegend, weil die Drehorte natürlich nicht so sind, als könnte man dort vom Fußboden essen. Und wie ich schon sagte, auch die Menschen mit denen ich zusammen arbeite, sind ganz Normal, alle gleich viel wert und nichts besonderes nur weil sie beim Film arbeiten. Das ist das tolle daran! Das war das Wort zum Sonntag, um euch eventuelle Illusionen zu nehmen, wie ihr euch das Film-Bis so vorstellt. 

Das hört sich jetzt so an, als würde ich überhaupt nicht mehr reiten. Lüge! Natürlich reite ich noch, aber eben nur dann, wenn ich frei habe beim Film. Gott sei Dank, können wir Setrunner durch ausreichende Besetzung schichten, sodass wir schonmal früher gehen können oder später kommen. Die verschaffen Zeit nutze ich dann um zu reiten oder zum Beispiel bei Romy Unterricht zu geben. Wer mich kennt, weiß dass ich den Stress liebe! Aber nach jetzt 9 Wochen am Stück, ohne einen einzigen freien Tag, war ich froh, jetzt gerade im Flieger zu sitzen und zumindest für 1,5 Wochen meine Reserven voll aufzuladen, um dann im neuen Jahr mit Vollgas weiter zu machen. 

Keep u updated! P.S.: sollte hier ein bisschen wirres, durcheinander Gerede passiert sein, tut es mir leid. Ich bin ja gerade im Flugzeug und just aufgewacht und mit den ganzen Zeit Umstellungen noch nicht d'accrod. 

À tout, 

Anna 

IMG_4972.JPG